Die Brettener Landsknechte – die Geschichte unseres Vereins

Im Jahre 1504 wurde die damals kurpfälzische Stadt Bretten während des bayrisch-pfälzischen Erbfolgekriegs von Herzog Ulrich von Württemberg mit 20.000 Mann belagert. In der Stadt befanden sich neben den Bürgern und Hilfstruppen aus der Umgebung auch mehrere Fähnlein hochqualifizierter Landsknechte. Nicht zuletzt ihrer Ausdauer und Kampfkraft war es schließlich zu verdanken, dass die Württemberger ihre Belagerung abbrechen mussten.

Es war der Peter- und Paulstag 1504 als Ulrichs Truppen erfolglos abzogen. Zur Feier dieses Triumphes über das Heer der Württemberger wird in Bretten bis auf den heutigen Tag das Peter & Paul Fest gefeiert: Über die Jahrhunderte hinweg mit nur kurzen Unterbrechungen als ein Schützenfest, heute als ein faszinierendes, mittelalterliches Stadtfest.

Seit 1950 richtet die Vereinigung Alt Brettheim, gegründet von Hermann Beuttenmüller, das Fest aus. Bereits fünf Jahre später fanden sich unter Siegfried Strasser “zehn Leut’, die gar gut den Becher lupfe’ konnten”, aus der Deutschen Pfadfinderschaft zusammen, um als Landsknechte gekleidet am Umzug des Festes teilzunehmen. Gewänder und Zubehör hatte man sich noch vom Karlsruher Theaterfundus ausgeliehen. Jaja, aller Anfang ist schwer…

Weitere zwei Jahre später wurde die Gruppe von unserem jetzigen Ehrenmitglied Hans Schrumpf angeführt: Es waren mittlerweile 25 bis 30 Leute, die Spaß am Mittelalter fanden, und 1959 die ersten Langspieße bauten – diese Spieße sind noch heute im Einsatz. Jetzt wurde zum Fest auch ein richtiges Lager aufgeschlagen; zunächst am Alten Friedhof, später an verschiedenen weiteren Orten in der Stadt. Auch Marketenderinnen fanden nun den Weg zu den Landsknechten. Die Gruppe wuchs und gedieh, und lagerte bis 1985 auf dem Marktplatz vor dem Haus Beyle, in dessen Hof viele schöne Feste in feuchtfröhlicher Runde gefeiert wurden.

Mittlerweile hatten sich am 22. April 1978 im Gasthof Stadt Pforzheim zwölf Landsknechte und Marketenderinnen zusammengefunden, um die Satzung für den eingetragenen Verein Landsknechtsgruppe 1504 e.V. zu erarbeiten. Fünf Tage später wurde die Registereintragung vorgenommen. Ziel war, und blieb bis heute, die Darstellung, Erforschung und kulturhistorische Pflege des Landsknechtswesens, insbesondere um die Zeit von 1504. Im Rahmen des Peter & Paul Fests ist es das Ziel der Gruppe die Zeit der Landsknechte möglichst realistisch und historisch stimmig nachzuleben, und dem Zuschauer nahe zu bringen. Kleidung, Bewaffnung, Zelte und weiteres Zubehör geben eindrucksvolle Beispiele hierfür ab. Beim Umzug am Peter & Paul Fest wird dann dargestellt, wie die Landsknechte durch die Lande zogen.

1986 schlug der Verein sein Lager im Hof des Amtsgerichts auf – die zwischenzeitlich 120 aktiven Mitglieder brauchten Platz. Heute sind die Landsknechte mit ca. 180 Mitgliedern eine der stärksten und aktivsten historischen Gruppen in Bretten. Zahlreiche Einladungen ins In- und Ausland belegen dies deutlich.

Die Brettener Landsknechte und Marketenderinnen treffen sich alle vier Wochen zum Stammtisch im Landsknechtskeller, dessen Eingang sich im Durchgang zum Beyle Hof befindet. Neuzugänge sind in den verschiedenen Abteilungen, wie zum Beispiel beim Spiel (Trommler und Pfeifen), der Marketenderei oder den Schwertkämpfern herzlich zum Mitmachen eingeladen.