Auf ein Wort!

Ein Auszug aus Sigi Thiele´s Chronik über die Geschichte der Brettener Landsknechte

Wenn wir die Geschichte der Brettener Landsknechte zu ihrem 55. Jahrestag schreiben, so müssen wir die Geschichte der Stadt Bretten mit einbinden. Denn seit dem Widerstand der Brettener 1504 gegen die Übermacht der Belagerung der Württemberger durch Herzog Ulrich, die mit einem Waffenstillstand zu Gunsten der Belagerten endete, feiern die Brettener ihr Peter-und-Paul-Fest. Die Brettener haben nie vergessen, dass ihre Befreiung nur den stationierten Landsknechten und dem Durchhaltewillen der Bevölkerung zu verdanken war. Wenn auch die Söldner den Brettenern einiges abverlangten, um sie zu schützen, so war dies immer noch besser als Mord und Brandschatzung durch die Truppen Ulrichs, zumal ja der kleine Bürger nur wenig von den Forderungen der Landsknechte betroffen war.

Kein Wunder, dass bei den Festen immer wieder Landsknechte in ihren bunten Gewändern das Stadtbild prägten. So wurde dies auch von den Nationalsozialisten zu ihrer Propaganda in einem Rollenspiel genutzt, wie das Foto von 1941 auf dem Amtshof belegt.

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Als 1952 unter der amerikanischen Besatzung das erste PuP-Fest nach Kriegsende stattfand, war allen damaligen Initiatoren von vornherein klar, dass nur ein Fest auf der Grundlage von 1504 mit allen Konsequenzen die Zukunft sein konnte.

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Es entstanden die ersten losen Fachgruppen, wie Nähstübchen, Zigeuner, Bauern und Landsknechte, die diesen Gedanken forcierten und bei den folgenden Peter-und-Paul-Festen verwirklichten. Von allen Stadtvögten lag Fritz Beyle die Verfestigung der Landsknechtsgruppe in Bretten besonders am Herzen, ohne dabei das Gesamtbild eines mittelalterlichen Auflebens der Stadt um 1504 aus den Augen zu verlieren.

So kann ich mich an einen kurzfristigen Arbeitseinsatz bei Fritz gut zurück erinnern.

Es war Sonntag morgens gegen 8.30 Uhr als Fritz Beyle mich anrief und sagte (eher ein Befehl), dass er mich brauche, um Ledertaschen für die Trommler zu fertigen. So bastelten wir zusammen Ledertaschen zum Umhängen, die von alten Motiven abgeschaut waren. Dabei erzählte mir der „Alte Fritz“ einiges über die Geschichte der Stadt und sein Vorhaben bezüglich der mittelalterlichen Festgestaltung. Als es Mittag wurde und Lina, seine Frau, den Tisch deckte, wollte ich aufbrechen und am Nachmittag wieder kommen, hatte aber nicht mit dem Eingreifen von Fritz Beyle gerechnet, der kurz und bündig seiner Frau befahl, ein Gedeck mehr aufzulegen und meiner Frau telefonisch mitteilte, dass es wohl etwas später würde und ich mit seiner Familie speise.

Ja, so war damals unser Fritz und so einen Mann, mit diesem Durchsetzungsvermögen brauchte Alt-Brettheim um das zu erreichen, was es in der heutigen Zeit nicht nur an PuP darstellt.

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Vieles wurde versucht und wieder verworfen und im Laufe der Zeit wurde das Aussehen und die Darstellung der Landsknechte immer weiter vervollkommnet. Hierzu führten nicht nur die Vertiefung in die Literatur, sondern auch die vielen auswärtigen Einsätze, bei denen man so einiges von gleichgesinnten Gruppen abschauen konnte.

Der Prozess der Selbstfindung, des geschichtlichen Verstehens, der Gestaltung und Aussehens der Brettener Landsknechte wurde durch die weise Führung der folgenden Vorstände geprägt: Hauptmann Hans Schrumpf, Hermann Fülberth, Markus Zipf, Konrad Hess und Peter Beyle, nicht zu vergessen, die vielen Helfer und Gestalter, deren Namen allen bekannt sind und deren Aufzählung jedoch den Rahmen diese Schriftstückes sprengen würde.

Seit einigen Jahren werden die Brettener Landsknechte von Peter Beyle geführt, dem Sohn von Fritz Beyle. Unter seiner Führung wuchs die Gruppe im Jahr 2000 auf ca. 200 Personen an und ist somit eine der größten und ansehnlichsten Gruppen in der großen Kreisstadt Bretten.

Mit dem Beitrag aus meiner Bildersammlung über die Landsknechte und Alt-Brettheim hoffe ich, einen kleinen Anteil zur Gestaltung des 30. e.V.-Geburtstags der „Brettemer Landsknechte 1504“ beigetragen zu haben und wünsche allen Aktiven, Leitern und Verantwortlichen weiterhin eine glückliche Hand in der Vereinsführung und ein schönes Jubiläumsfest.

Euer Seniorenlandsknecht

Sigi Thiele